Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand in Sachsen, Herbst 2017

Mittelstand in Sachsen: Gefestigt und vor weiterem Ausbau

Allgemeinster Ausdruck der gesamtwirtschaftlichen Situation der Unternehmen in Sachsens Mittelstand sind die Angaben zur aktuellen Geschäftslage: Mit sehr guten und guten Noten für die Geschäftslage votierten 76,8 Prozent der Betriebe im Freistaat (Vorjahr: 73,6 Prozent). Jeder fünfte Betrieb (21,7 Prozent) sprach von einer befriedigenden bis ausreichenden aktuellen Geschäftslage (Vorjahr: 26,4 Prozent). Negative Angaben fanden sich nicht.

Mit diesen Noten agiert der Freistaat und seine Unternehmen besser als Deutschland insgesamt: In Deutschland nannten 69,4 Prozent die aktuelle Geschäftslage sehr gut und gut und 27,9 Prozent sprachen von befriedigend bis ausreichend (mangelhaft und ungenügend: 1,7 Prozent).

Entsprechend zugelegt haben die kleinen und mittleren Betriebe auch bei den Erwartungen für die Zukunft. Sprachen bei der Herbst-Umfrage 2016 noch 70,1 Prozent von einer weiteren positiven Entwicklung bei der Geschäftslage, so sind es 2017 78,2 Prozent.

Gipfelplateau erreicht

Beim aktuellen Umsatz haben zwar nur 29,0 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Sachsen eine Steigerung registriert (Deutschland: 42,2 Prozent), nach den Umsatzzuwächsen der letzten Jahre jedoch ist die Zahl der KMU, die von gleichbleibendem Umsatz sprechen (59,4 Prozent), ein Erfolg. Die Konsolidierung des Umsatzes setzt sich fort bei den Umsatzerwartungen: Zwar gehen nur noch 24,6 Prozent der sächsischen Mittelständler von weiteren Umsatzsteigerungen aus (Vorjahr: 34,5 Prozent), doch erwarten 68,1 Prozent der Befragten einen gleichbleibenden Umsatz auch im nächsten Halbjahr. Auch gegenüber den Einschätzungen zur weiteren Umsatzentwicklung in Deutschland verhalten sich Sachsens Betriebe eher zurückhaltend. In Deutschland insgesamt gehen 39,8 Prozent von Umsatzsteigerungen aus, aber nur 53,7 Prozent von gleichbleibenden Umsätzen.

Investitionen sind geplant

Welche Erwartungen die Befragten hegen, zeigt sich letztlich bei den Investitionsplanungen. Höher als im Vorjahr ist der Anteil der Unternehmen, die Investitionen planen. 63,8 Prozent der Befragten wollen zukünftig investieren (Vorjahr: 52,9 Prozent). Vor allem das boomende Baugewerbe, aber auch das Verarbeitende Gewerbe haben höhere Investitionsausgaben vorgesehen. Ganz entscheidend: Mit diesem starken Investitionswillen liegt man deutlich über den Investitionsplanungen der Kollegen in Gesamtdeutschland. Hier sind nur 52,7 Prozent der Unternehmer zu Investitionen bereit.

Höhere Preise und auch höhere Gewinne

Die Kunden der mittelständischen Unternehmen werden sich auf höhere Preise für die Produkte und Dienstleistungen einstellen müssen. 27,5 Prozent der befragten Unternehmen wollen die Preise in den nächsten sechs Monaten anheben. Preissenkungen sind so gut wie nicht geplant (2,9 Prozent).

Bei starken Umsätzen und höheren Preisen wird sich eine Verbesserung der Gewinnsituation ausrechnen lassen. Aktuell geben 26,1 Prozent der Befragten (Vorjahr: 26,4 Prozent) an, dass sich ihre Ertragslage verbessert hat. Allerdings ist auch die Zahl derer, die Einbußen hinzunehmen hatten, leicht gestiegen: von 9,2 Prozent im Vorjahr auf 13,0 Prozent im Herbst 2017.

Noch mehr Arbeitsplätze

Beim Personal zeigte der sächsische Mittelstand zuletzt einen höheren Bedarf: 20,3 Prozent der Unternehmen haben seit Jahresbeginn die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt. In der letztjährigen Umfrage war der Anteil ähnlich hoch (21,8 Prozent). Einen Stellenabbau gab es nur bei wenigen Unternehmen (5,8 Prozent; Vorjahr: 8,0 Prozent). Und die Kapazitäten im Mittelstand dürften weiter steigen: So gaben 20,3 Prozent der Befragten an, zusätzliche Arbeitskräfte einstellen zu wollen (Vorjahr: 19,5 Prozent). Der geplante Beschäftigungsaufbau könnte aber an Grenzen stoßen, wenn das Arbeitsangebot, wie für bestimmte Berufe und Regionen bereits Tatsache, knapp wird.

Die Finanzierung stimmt

Zugute kommt den Unternehmen, dass es derzeit kaum Probleme mit dem Zahlungsverhalten der Kunden gibt. Mehr als jeder dritte Befragte (36,2 Prozent; Vorjahr: 39,1 Prozent) verbuchte gar keine Zahlungsausfälle. Mehrheitlich waren kleinere Forderungsausfälle zu verkraften.

Infolgedessen verbesserten sich die Eigenkapitalquoten im sächsischen Mittelstand. Der Anteil der Unternehmen, die eine niedrige Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent aufwiesen, hat sich von 26,4 auf 24,6 Prozent leicht verringert. 39,1 Prozent (Vorjahr: 27,6 Prozent) der Unternehmen besitzen mittlerweile eine solide Eigenkapitaldecke und gelten als eigenkapitalstark (Eigenkapitalquote über 30 Prozent). Vor allem im Baugewerbe verbesserten sich die Eigenkapitalquoten.

Hightech-Gründer: Dresden in der Spitzengruppe

Dresden schneidet bei der Zahl der Hightech-Gründungen im Ranking aller deutschen Kreise und Städte hervorragend ab. Nach Jena, Karlsruhe und Darmstadt steht die Stadt Dresden an vierter Stelle. Dabei wird die regionale Gründungsaktivität in den Hightech-Branchen gemessen am prozentualen Anteil des Sektors am gesamten Gründungsgeschehen in dieser Region. In Dresden sind im Schnitt der Jahre von 2012 bis 2016 12,1 Prozent aller wirtschaftsaktiven Neugründungen Hightech-Betriebe. Damit liegt die sächsische Hauptstadt noch knapp vor München (Quote: 12,0 Prozent). Jena zählt eine Quote von 16,3 Prozent, Karlsruhe von 13,4 Prozent und Darmstadt von 13,3 Prozent.

Mit diesem Wert hebt Dresden den gesamten Freistaat Sachsen im Ranking der Bundesländer auf ein hohes Niveau. Die Quote für Sachsen beträgt im Zeitraum 2012 bis 2016 insgesamt 7,7 Prozent. Höher ist sie nur in Berlin (9,4 Prozent), Bayern (8,4 Prozent), Baden-Württemberg (8,3 Prozent) und schließlich in Hamburg (7,8 Prozent). Alle anderen Bundesländer weisen schwächere Werte auf – Mecklenburg-Vorpommern bildet hier das Schlusslicht mit 5,2 Prozent.

Große regionale Unterschiede

Dabei ist die Spannweite der Unternehmensneugründungen im Hightech-Bereich innerhalb der Regionen in Sachsen beträchtlich. Gute Werte weisen noch die Stadt Leipzig (9,0 Prozent) sowie Zwickau (8,1 Prozent), Chemnitz (7,7 Prozent) und Meißen (7,0 Prozent) auf. Deutlich schwächer schneiden die Städte Bautzen (4,8 Prozent) sowie Görlitz (4,7 Prozent) ab. Auch der Erzgebirgskreis (4,6 Prozent) sowie Nordsachsen (4,8 Prozent) liegen zurück bei den zukunftsträchtigen Hightech-Gründungen.

Nicht eingerechnet in diese Statistik sind Neuansiedlungen der Töchter großer Konzerne, die ebenfalls dem Hightech-Sektor zuzuordnen sind.

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Dresden, 17. Oktober 2017
 

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