"Kalte Küche" - Insolvenz von ALNO und Pino

Zuerst war es die Insolvenz des bekannten Küchenherstellers „ALNO“, die Anfang Juli für Schlagzeilen sorgte, nun folgt auch der Zusammenbruch des Tochterunternehmens „Pino Küchen GmbH“. Die ALNO AG gab bekannt, dass sie beim zuständigen Amtsgericht Hechingen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen wird. Die Tochtergesellschaften „Gustav Wellmann GmbH & Co. KG“ und „ALNO Logistik & Service GmbH“ werden ebenfalls in den Antrag einbezogen. Die sich im vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befindliche ALNO AG und die Gustav Wellmann GmbH & Co. KG haben zusammen Massedarlehen in Höhe von insgesamt bis zu 9 Mio. Euro erhalten. Die Gläubigerausschüsse haben der Darlehensaufnahme zugestimmt. Das Amtsgericht Hechingen hat den Anträgen am 13. Juli 2017 stattgegeben.

Der Geschäftsbetrieb läuft weiter, die Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld abgesichert. Das sind bei ALNO insgesamt 1.900 Beschäftigte, davon 650 in Pfullendorf in Baden-Württemberg, dem Stammsitz des Küchenherstellers. Bei Pino sind 225 Mitarbeiter, der Betrieb ist in Coswig, Sachsen-Anhalt, tätig. Dabei hatte ALNO bereits Anfang des Jahres im Zuge der außergerichtlichen Sanierungsbemühungen angekündigt, rund 350 Stellen abzubauen.

Nur noch rote Zahlen

Wirtschaftlich erfolgreich ist das Unternehmen ALNO seit Jahren nicht mehr, die Krise war zum Dauerzustand geworden. Dabei spricht vieles für die Branche und das Unternehmen, sind doch im Zeichen von neuer Ess- und Wohnkultur auch hochwertige Kücheneinrichtungen durchaus gefragt. Zwar heißt es aktuell in einer Presseinformation von ALNO: „Die seit Anfang 2017 umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen im ALNO Konzern zeigten nach den ersten fünf Monaten bereits Erfolge: Unter anderem konnte der operative Fehlbetrag (EBITDA vor Restrukturierung) nach vorläufigen Zahlen per Mai 2017 im Inland um 8,7 Mio. Euro auf minus 1,3 Mio. Euro reduziert werden (Januar bis Mai 2016: minus 10,0 Mio. Euro).“ Doch verlässliche Zahlen waren ausgeblieben, den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr wollte man im April 2017 publizieren, aber die Herausgabe wurde immer wieder verschoben. Damit wurde die AG an der Börse zum Penny-Stock und die Mittelstandsanleihe, mit 8,5 Prozent verzinst, stellt eine Verbindlichkeit von 45 Mio. Euro dar – ein Grund, warum der Gang zum Insolvenzgericht für den Vorstand unausweichlich wurde.

Tauziehen der Investoren

Bestimmt wird das Überleben sowohl von ALNO als auch von Pino von den Investoren, die schon seit einiger Zeit eine entscheidende Rolle im Hintergrund spielen. Da ist zunächst die Tahoe Investors GmbH, die der bosnischen Familie „Hastor“ gehört und immerhin 43 Prozent von ALNO besitzt. Tahoe ist sicher nicht everybody´s Darling. So war es deren Prevent DEV, zu der zwei Automobilzulieferer gehören, die mit Volkwagen in einen Rechtsstreit gerieten, der zur zeitweiligen Lahmlegung der Produktion beim Hersteller führten. Und beim Autozulieferer „Grammer“ versuchte die Investoren-Familie, den Vorstand abzulösen, weil man der Meinung war, der Gewinn lasse zu wünschen übrig. In der Aktionärsversammlung konnte man sich damit allerdings nicht durchsetzen.

Und bei Pino tritt die First Epa Holding AG aus Liechtenstein auf, die Forderungen von 22,7 Mio. Euro hat. Das Interessante ist, dass die ehemalige Finanzchefin Ipek Demirtas mit einem Drittel an diesem Investor beteiligt ist. Einigen konnte man sich jedenfalls nicht, so dass auch die Pino in die Insolvenz musste.

Bleibt abzuwarten, wie die Gläubiger und Investoren mit den Plänen umgehen. Es hieß, man sei an einem langfristigen Engagement interessiert.

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