Insolvenzen und die Folgen für die Beschäftigten

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat untersucht, wie hoch das Risiko der Arbeitnehmer liegt, von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen zu sein. Zu welcher Größenordnung gehören die von Insolvenz betroffenen Betriebe? Aus welcher Region und aus welcher Branche stammen sie? Darüber hinaus beschäftigt sich die Analyse mit der Erwerbsbiografie der von Insolvenz betroffenen Arbeitnehmer.

Während die Insolvenz großer Betriebe für viel Aufsehen in den Medien und in der Öffentlichkeit sorgt, bleibt die Vielzahl von Zusammenbrüchen kleiner Betriebe oft unbeachtet. Tatsächlich aber ist es so, dass die Summe der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten kleiner Unternehmen insgesamt deutlich über der Zahl liegt, die bei der Insolvenz eines Großunternehmens freigesetzt wird. Dabei hat das IAB die Betriebe in Größenklassen im Hinblick auf die Mitarbeiter eingeteilt, die von unter zehn Beschäftigten bis zu 250 Beschäftigten und mehr reichen. Der Untersuchungszeitraum reichte von 2008 bis 2013. Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko, durch eine Insolvenz den Arbeitsplatz zu verlieren, in kleinen Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern rund viermal so hoch ist wie bei großen Unternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten (unter zehn Beschäftigte: 1,02 Prozent; 250 Beschäftigte und mehr: 0,26 Prozent).

Junges Bauunternehmen in Berlin

Nicht nur die Größe eines insolventen Unternehmens, sondern auch das Alter spielt eine wichtige Rolle für das Risiko der Arbeitnehmer von einer Insolvenz betroffen zu sein. Dabei sinkt dieses Risiko mit dem Alter der Betriebe. Neugründungen oder junge Unternehmen, die höchstens zwei Jahre alt sind, schaffen bei ihren Mitarbeitern einen Durchschnittswert von 2,51 Prozent, wenn es um das Risiko einer Insolvenz geht. Dieser Risikowert nimmt über die Jahre deutlich ab und erreicht schließlich bei einem Alter von über 30 Jahren einen Wert von 0,29 Prozent.

Einen um das 14-fache unterschiedlichen Risikowert bereitet die Branche des Unternehmens für seine Arbeitnehmer. So kommen auf Beschäftigte im Baugewerbe 1,48 % Insolvenzbetroffene, während es im Bereich der Erbringung von Finanz-und Versicherungsdienstleistungen nur 0,11 Prozent sind. Einer hohen Betroffenheit sehen sich auch die Mitarbeiter im Gastgewerbe (1,43 Prozent) und im Bereich „Verkehr und Lager“ (1,22 Prozent) ausgesetzt.

Eine weitere Determinante, die das IAB untersucht hat, betrifft das Insolvenzrisiko der Beschäftigten nach Bundesländern. Insgesamt lässt sich sagen, dass im Osten Deutschlands die Insolvenzbetroffenheit der Beschäftigten höher liegt als in Westdeutschland. An der Spitze stehen Berlin und Sachsen-Anhalt mit 0,91 Prozent. Die wirtschaftsstarken Bundesländer Hessen (0,60 Prozent), Baden-Württemberg (0,54 Prozent) und Bayern (0,53 Prozent) bereiten ihren Angestellten das geringste Insolvenzrisiko.

Knick in der Vita

Das IAB hat für seine Untersuchungen einen beispiellosen Datenpool zur Verfügung. Damit ist es möglich, die Einkommens- und Beschäftigungsverläufe von Arbeitnehmern vor und nach einer Insolvenz abzubilden. Dabei wurden die Erwerbsverläufe vollzeitbeschäftigter Männer insolventer Unternehmen der Jahre 2008 und 2009 näher analysiert. So ergibt sich zunächst, dass das Arbeitseinkommen der von Insolvenz betroffenen Beschäftigten deutlich unter dem der Kontrollgruppe liegt. Im Jahr Null der Insolvenz bricht das jährliche Arbeitseinkommen ab und hat sich selbst nach fünf Jahren noch nicht erholt, sondern weist weiterhin gegenüber den durchgängig Beschäftigten eine große Lücke auf. Diese Langzeitfolgen können auch bei den Beschäftigtentagen pro Jahr sowie beim Bezug von Arbeitslosengeld festgestellt werden. Auch fünf Jahre nach dem Insolvenzzeitraum lassen sich die Spuren der Pleite des Arbeitgebers noch bei den ehemals Beschäftigten nachweisen.

Die Wissenschaftler haben noch einen weiteren negativen Effekt der Insolvenz für die Arbeitnehmer zeigen können. Diese weisen also nicht nur Lücken beim Einkommen auf, sondern sind auch besonders stark von sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnissen nach der Insolvenz betroffen. Schaut man auf die Art der Beschäftigung nach der Insolvenz, so zeigt sich, dass diese Personen mit sehr viel höherer Wahrscheinlichkeit als Leiharbeitnehmer oder als Minijobber tätig sind. Hinzu kommt ein nicht geringer Teil, der zwar eine Erwerbstätigkeit aufnimmt, diese aber häufiger mit Arbeitslosengeld verbindet als Beschäftigte, die nicht von einer Insolvenz betroffen waren.

Alles in allem zeigt die Untersuchung, dass die Insolvenz eines Unternehmens nicht nur kurzzeitig eine Folge für die betroffenen Arbeitnehmer als Kündigung oder Freisetzung hat, sondern dass diese auch über mehrere Jahre noch unter den Folgen zu leiden haben.

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