Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2014

Der mittelständischen Wirtschaft geht es gut. Die politischen Diskussionen um den Mindestlohn oder die steigenden Stromkosten konnten die Stimmungslage der Unternehmen nicht trüben. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen (57,4 Prozent) berichtete von einer sehr guten oder guten Geschäftslage. Das ist ein höherer Prozentsatz als im Vorjahr, als sich 50,4 Prozent der Befragten positiv geäußert hatten. Insbesondere die Bauwirtschaft (66,8 Prozent der Befragten) bezeichnete ihre Geschäftslage oft mit „sehr gut“ bzw. „gut“. Deutlich erholt zeigt sich die Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe (59,1 Prozent positive Nennungen), nachdem die Aussagen im Vor-jahr deutlich getrübter waren (47,3 Prozent).

Auch die Indikatoren „Auftragseingänge“ und „Umsätze“ zeigen einen Aufwärtstrend. 26,8 Prozent der befragten Unternehmen berichteten von steigenden Auftragseingängen (Vorjahr: 23,2 Prozent) und nur jeder sechste Mittelständler (16,0 Prozent; Vorjahr: 23,1 Prozent) musste weniger Aufträge verbuchen.

Anders als im Frühjahr 2013 überwiegt diesmal die Zahl der Unternehmen, die Umsatzzugewinne erzielen konnten. Jeder vierte Befragte (25,3 Prozent) meldete ein Umsatzplus – 21,0 Prozent der Mittelständler mussten Umsätze abgeben. Vor einem Jahr war dieses Verhältnis noch umgekehrt. Damals hatten 21,0 Prozent der Befragten Umsatzsteigerungen erzielt und 26,8 Prozent mussten einen Rückgang melden. Vor allem im Handel lief es besser als vor Jahresfrist und das Baugewerbe profitierte vom milden Winterwetter.

Im Mittelstand steigt der Personalbedarf: 22,5 Prozent der befragten Unternehmen haben die Belegschaft in den vergangenen Monaten aufgestockt. In der Vorjahresumfrage hatten das 19,9 Prozent ausgesagt. Personal ab-bauen musste jedes achte Unternehmen (12,4 Prozent), nachdem im Vorjahr noch jedes sechste (16,9 Prozent) betroffen war. Die Mehrzahl der Unternehmen stellte zwar Vollzeitkräfte ein, aber sogenannte Minijobs waren im Mit-telstand gefragter als im Vorjahr. Einen hohen Personalbedarf gab es im Dienstleistungsgewerbe. Insgesamt sind die Personalfluktuationen im Mittelstand geringer als noch in den 90er Jahren.

Gute Aussichten: Investitionsneigung steigt

In ihren Konjunkturprognosen zeigen sich die mittelständischen Unternehmen zuversichtlich. Mit steigenden Umsätzen rechnen 37,8 Prozent der Befragten; ein etwas höherer Wert als im Vorjahr (35,6 Prozent). Nur eine Minderheit (5,9 Prozent) ist in Bezug auf die weitere Umsatzentwicklung pessimistisch. Verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe sind nach der Konjunkturdelle im Frühjahr 2013 deutlich zuversichtlicher geworden, während sich die Äußerungen im Handel und im Dienstleistungssektor nicht wesentlich vom Vorjahr unterscheiden, aber weiterhin optimistisch sind.

Die Einstellungsbereitschaft des Mittelstandes ist hoch, aber nicht weiter gewachsen. Wie vor Jahresfrist will knapp ein Viertel der Befragten (23,9 Prozent; Vorjahr: 24,4 Prozent) den Personalbestand aufstocken. Die Mit-arbeiterzahl verkleinern wollen 5,0 Prozent der Befragten (Vorjahr: 6,7 Prozent). Der zunehmende Fachkräftemangel sowie die dadurch erhöhte Konkurrenz mit Industrie und öffentlichem Dienst könnte das Beschäftigungswunder im Mittelstand bremsen. Insgesamt sind die Personal-planungen in allen Bereichen und Größenklassen expansiv. Im Vergleich zum Vorjahr ist aber nur im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel die Einstellungsbereitschaft gestiegen.

Die Investitionstätigkeit der mittelständischen Wirtschaft zieht an. 52,0 Prozent der Befragten haben angekündigt, investieren zu wollen. Dabei stehen in der Mehrzahl Erweiterungsinvestitionen an. Zur gestiegenen Investitions-bereitschaft hat wesentlich der Handel beigetragen. Im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Baugewerbe ist die Zahl der investitionsbereiten Unternehmen leicht gesunken. Viele Unternehmen (49,0 Prozent; Vorjahr: 36,9 Prozent) weisen ein höheres Investitionsbudget auf als im Vorjahr. Knapp vier von zehn Unternehmen finanzieren ihre Investitionen überwiegend mit Fremdkapital.

Ertragslage und Zahlungsmoral gut, Eigenkapital aber wieder knapper

Die Ertragslage der mittelständischen Unternehmen hat sich zuletzt leicht gebessert. Knapp ein Fünftel der Befragten (19,2 Prozent) berichtete von höheren Erträgen. Vor einem Jahr traf das lediglich auf jedes sechste Unterneh-men zu (16,9 Prozent). Dabei ist der Handel nicht mehr das große Sorgenkind.

Mehr Unternehmen als im Vorjahr weisen eine zu geringe Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent auf (31,3 statt 28,3 Prozent). Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Unternehmen, die eine hohe Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent besitzen. Damit wurden die deutlichen Verbesserungen der Eigenkapitalsituation aus dem Vorjahr wieder korrigiert. Grund könnte sein, dass viele Betriebe ihre Investitionen aufgrund der günstigen Kreditzinsen stärker als bisher fremdfinanziert haben.

Das Zahlungsverhalten der Kunden wird von den Mittelständlern als weitgehend gut beschrieben. Die Mehrzahl der Unternehmen (bei privaten und gewerblichen Kunden: 88,5 Prozent; bei öffentlichen Kunden: 75,6 Prozent) erhält das Geld für eine erbrachte Leistung spätestens nach 30 Tagen. Von 10,7 auf 11,2 Prozent leicht zugenommen hat aber der Anteil der Betriebe, die von höheren Forderungsausfällen betroffen waren.

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